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Über die Umschriften und Schriftarten
J. R. R. Tolkien hat es verstanden, seinem Legendarium viele Facetten zu geben. Sammlungen wie J. R. R. Tolkien – Der Künstler haben es erlaubt, eine intime Seite seiner künstlerischen Persönlichkeit zu entdecken, als des Malers von Mittelerde. Es besteht ein sehr starker Zusammenhang zwischen Tolkiens Begriff von Faërie – dem Elbenreich der schöpferischen Einbildungskraft – und dem Prozess, durch den er seine Welt gestaltet hat. Man kann gewissermaßen sagen, dass Tolkien in der Verbindung zwischen ursprünglicher Einbildungskraft – dem Traum – und Verwirklichung dieses Traums im Grunde nach etwas echt Elbischem strebte: nach der Erschaffung einer sekundären Welt, in die der Geist eintreten kann – wie er es in seinem berühmten Aufsatz Über Märchen ausgedrückt hat.

Wenn man verstanden hat, dass das Herz, das intime Feuer dieser derart persönlichen Kunst durchaus philologisch ist, so erscheint es ganz natürlich, dass er den Feenzauber mit einer Darstellung in Schriftsystemen hat beleben wollen. Wie es seine Gewohnheit war, hat der Zauberer Tolkien zu seinen Lebzeiten sein Märchen nur sparsam mit diesem graphischen Sprachgewürz besprenkelt; es erscheint nur an gewissen, gut gewählten Stellen, so dass seine Magie umso größer ist. Die Anhänge des Herrn der Ringe lassen ein Verwirklichungsfeld hervorschauen, das viel weiter ist als die magischen Stichproben des Moria-Tores, der Inschrift des Einen Rings oder der Runen von Balins Grab. Die posthume Veröffentlichung intimerer Werke durch Christopher Tolkien, seinen dritten Sohn und literarischen Nachlassverwalter, hat viel mehr von diesem speziellen Aspekt seiner Kunst enthüllt.

Aus diesem Grund wäre unserer Meinung nach ein Website, der bestrebt ist, Tolkiens Sprachen zu präsentieren und mit Lust kosten zu lassen, nicht vollständig gewesen ohne die Möglichkeit, die linguistische Erfahrung im Zugriff auf die Schriften weiterzuführen. Dies bedingt die Bewältigung einer gewissen Zahl von Herausforderungen, aber auch technische Vorbedingungen, die noch vor ein paar Jahren nicht hätten erfüllt werden können.
Über die Schriftarten
Die erste Vorbedingung ist gewiss die Existenz von Computerschriftarten, die eine Wiedergabe von Tolkien erfundenen Schriften erlauben. Obwohl einige Schriftformen wie die Cirth ihre Inspiration aus Systemen der echten Welt wie den germanischen Runen beziehen, sind andere wie die Tengwar und die Sarati völlig fiktiv. Seit zahlreichen Jahren erlauben es nun verschiedene Enthusiasten, die Schriften von Tolkiens Legendarium auf Computern zu verwenden dank ihren Bemühungen um Analyse, Zusammenstellung und vor allem Gestaltung, insbesondere Måns Björkman, Dan Smith, Johan Winge und Enrique Mombello. Es sei ihnen der wärmste Dank für dieses langatmige Unternehmen ausgesprochen!

Die Existenz dieser Schriftarten garantiert jedoch keine einfache Benutzung im Internet. Während zahlreichen Jahren ist die Unterstützung von Schriftarten durch die Browser lückenhaft geblieben. Die heutigen Webtechnologien erlauben es, den Benutzerinnen und Benutzern eine einfache, saubere und dynamische Erfahrung anzubieten. Tolkiens Schriften stellen aber zusätzliche Herausforderungen. Die Informatik hat sich zunächst mit den Basiszeichen der Buchstaben des lateinischen Alphabets und mit der Schreibrichtung von links nach rechts entwickelt, und wenn auch den Eigenheiten der großen mit dem lateinischen Alphabet geschriebenen Sprachen schnell Rechnung getragen worden ist, so hat es lange gedauert, bis andere Schriftsysteme, andere Zeichensätze und vor allem andere Schreibmechanismen unterstützten worden sind. Der Umgang mit den Ligaturen zwischen Zeichen oder Diakritika ist für eine große Zahl von Schriften unserer Welt eine echte Herausforderung, und auch für Tolkiens Schriften.

Die Spezifikationen des OpenType-Formats erlauben es, das Funktionalitätsspektrum derjenigen Schriftarten gezielt zu erweitern, die uns schon zur Verfügung stehen. Für die Tengwar schlagen die existierenden Schriftarten ein System im Umgang mit den Diakritika vor, das auf einem „Trick“ basiert, der es bisher erlaubt hat, den Gebrauch von OpenType oder die Definition aller möglichen Kombinationen von Grundzeichen und Diakritika im Rahmen der Schriftart zu vermeiden. Für die Sarati ist diese Angelegenheit aber viel komplexer: Einerseits ist die Anzahl möglicher Kombinationen astronomisch und andererseits kombinieren die Diakritika je nach Kontext auch untereinander. Um dieses Problem zu lösen, sind wir von der Schriftart Sarati Eldamar von Måns Björkmans ausgegangen und haben sie verändert, indem wir GPOS-Tabellen von OpenType und die erforderlichen Anker für den Umgang mit Diakritika hinzugefügt haben. Das Resultat hat uns wirklich überzeugt und wir halten es für einen Machbachkeitsnachweis bezüglich der Entwicklung von Tolkiens Schriftarten, für die ein Gebrauch dieser OpenType-Funktionalitäten von Gewinn wäre – einschließlich für die Tengwar.

Die Schriftarten, die von Glǽmscribe verwendeten, haben viele weitere Änderungen vorgenommen, um weitere Funktionen und eine bessere Web-Kompatibilität hinzuzufügen. Diese Fonts sowie die Historie dieser Änderungen sind auf dem Glǽmscribes github repository verfügbar.
Über die Umschriften
Das andere Hauptproblem ist dasjenige der Umschriften selbst. Eine Schriftart kann selber nicht „verstehen“, wie ein elbischer (oder anderer) Text, der im lateinischen Alphabet geschrieben ist, in die ihm entsprechende Zeichenfolge in der Tolkiensschrift (Tengwar oder andere) übergeführt wird. Historisch gesehen sind Dan Smiths Tengwarschriftarten rings um ein Eingabesystem der Zeichen über die Computertastatur entworfen worden, mit einer Parallele zwischen der Zeichenanordnung auf einer QWERTY-Tastatur und der phonetischen Tengwartabelle, die Tolkien im Anhangs E des Herrn der Ringe gegeben hat. Obzwar die Eingabe der Tengwar dadurch erleichtert wird, befreit es einen doch überhaupt nicht davon, das eigentliche System der Schrift zu kennen. Diese Schwierigkeit, im lateinischen Alphabet geschriebene Texte in Tolkiens Schriftsysteme umzuschreiben, hat das Erscheinen von technischen Lösungen in der Form von Transkriptoren bestimmt, wovon die bekannteste und eine der ältesten TengScribe von Måns Björkman ist.

Im Fall von Glǽmscrafu hat sich ein derartiges Werkzeug als unerlässlich erwiesen, denn die manuelle Eingabe wäre zu mühsam und anfällig für Fehler. Kein existierender Transkriptor erlaubte uns aber, mit den Cirth oder den Sarati zu arbeiten, oder bot uns das Maß an Genauigkeit, das wir benötigten. Wir haben deshalb unseren eigenen Transkriptor entwickelt, in Ruby, der es erlaubt, mit allen Schriftarten und mit allen Umschreibweisen für die auf diesem Website präsentierten Sprachen umzugehen. Das Resultat dieser langfristigen Arbeit präsentieren wir nun, um zu sagen : Glǽmscribe.

Um den Transkriptor umzusetzen, haben wir uns sehr auf Måns Björkmans Website Amanyë Tenceli gestützt, eine unschätzbare Wissensquelle über Tolkiens Schriften.

Danke an Måns für all diese Arbeit, die wir im Lauf dieses Projekt schätzen gelernt haben!

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Letzte Aktualisierung der Website: 30. Juli 2019. Kontakt: