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Béowulf – Durch das Meer
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Handschrift

Fyrst forð gewát. Flota wæs on ýðum,
Fyrst forð gewát. Flota wæs on ýðum,
Nach kurzer Frist war der Kiel im Wasser,
bát under beorge. Beornas gearwe
bát under beorge. Beornas gearwe
am steilen Ufer. Es stiegen die Kämpen
on stefn stigon; stréamas wundon,
on stefn stigon; stréamas wundon,
an Bord gerüstet; brandend wühlte
sund wið sande; secgas bǽron
sund wið sande; secgas bǽron
im Sand die See; die Gesellen trugen
on bearm nacan beorhte frætwe,
on bearm nacan beorhte frætwe,
zum Bauch des Boots die blitzenden Waffen.
gúðsearo geatolic; guman út scufon,
gúðsearo geatolic; guman út scufon,
In die Wogen dann schob man zur erwünschten Reise -
weras on wilsíð, wudu bundenne.
weras on wilsíð, wudu bundenne.
das fest gefügte Fahrzeug hinaus.
Gewát þa ofer wǽgholm, winde gefýsed,
Gewát þa ofer wǽgholm, winde gefýsed,
Die Wellen durchflog, vom Wind beflügelt
flota fámigheals fugle gelícost,
flota fámigheals fugle gelícost,
das Schiff wie ein schaumhalsiger Vogel,
oþþæt ymb antíd óðres dógores
oþþæt ymb antíd óðres dógores
bis am nächsten Tage zur nämlichen Zeit
wundenstefna gewaden hæfde
wundenstefna gewaden hæfde
der gewund’ne Steven so weit gelangt war,
þæt þa líðende land gesáwon,
þæt þa líðende land gesáwon,
dass Land die Segler erlugen konnten,
brimclifu blícan, beorgas stéape,
brimclifu blícan, beorgas stéape,
das vom Flut umbrandete Vorgebirg’,
síde sǽnæssas; þá wæs sund liden,
síde sǽnæssas; þá wæs sund liden,
ragende Klippen! Erreicht war das Ziel
eoletes æt ende. Þanon úp hraðe
eoletes æt ende. Þanon úp hraðe
der weiten Reise. Der Wettermark Helden
Wedera léode on wang stigon,
Wedera léode on wang stigon,
stiegen nun eilends zum Stand gleich hinauf,
sǽwudu sǽldon (syrcan hrysedon,
sǽwudu sǽldon (syrcan hrysedon,
das Boot zu vertauen; die Brünnen klirrten,
gúðgewǽdo), gode þancedon
gúðgewǽdo), gode þancedon
der Degen Rüstzeug; sie dankten Gott
þæs þe him ýðláde éaðe wurdon.
þæs þe him ýðláde éaðe wurdon.
der nach Wunsch gut gelenkt die Wogenfahrt.

Kommentar
Béowulf ist das längste und berühmteste angelsächsische Heldengedicht. Es ist zu uns in einer einzigen, in der British Library aufbewahrten Handschrift gelangen, namens Cotton Vitellius. Das Gedicht ist 3182 Zeilen in Stabreim lang und wurde zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert für ein christliches Publikum aus der angelsächsischen Tradition verfasst. Béowulf wägt zwei Zeiten im Leben des eponymen Heldes ab: zuerst die Großtaten seiner Jugend, als er am Hofe des dänischen Königs Hrothgar blieb und Grendel umbrachte, einen riesigen Menschenfresser, der Hrothgars Domäne verwüstete, und dann Grendels Mutter; danach seinen letzten Kampf als älterer König der Göten gegen einen Drachen, der sein Volk bedroht. J. R. R. Tolkien spielte eine bestimmende Rolle bei der Studie und Kritik von Béowulf; vor allem legte er einen grundlegenden Artikel an, mit dem Titel Beowulf: die Ungeheuer und ihre Kritiker, den mit anderen Aufsätzen in der Sammlung Die Ungeheuer und ihre Kritiker – Gesammelte Aufsätze wiedergedruckt wurde. Umgekehrt war Béowulf eine wichtige Inspirationsquelle für Tolkien: manche Erzählungsteile in dem Hobbit und dem Herrn der Ringe stammen daraus.

Tolkien benutzte diesen bestimmten Bruchstück als Beispiel in seinem Aufsatz Zur Übersetzung des Beowulf, in der Sammlung Die Ungeheuer und ihre Kritiker – Gesammelte Aufsätze auch enthalten. Hier gibt er eine umfassende analyse der Prosodie, der Metrik und des Stils, versorgt uns auch mit einer Übersetzung in einen ans Neuenglisches angepassten Stabreim.

Die deutsche Übersetzung ist von Hans-Jürgen Hube.

Der Textumschrift ahmt die insulare Schrift nach, eine Buchschrift des lateinisches Alphabets Irischer Herkunft, die in den meisten altenglischen Manuskripten angewandt wurde. Wir haben die Schriftart Beowulf1 von Peter S. Baker verwandt.

Quellenangabe
Tolkien, John Ronald Reuel. The Monsters and the Critics and Other Essays. Edited by Christopher Tolkien. London: HarperCollins, 2006. 256 p. ISBN 0-261-10263-X.
Tolkien, John Ronald Reuel. Die Ungeheuer und ihre Kritiker: gesammelte Aufsätze. Herausgabe von Christopher Tolkien. Übersetzung von Wolfgang Krege. Stuttgart: Klett-Cotta, 1987. 262 S. ISBN 3-608-95257-8.
Savage, Anne (ed.). Beowulf in Hypertext. 🌍 McMasterUniversity, Hamilton (Ontario).
Beowulf - Das angelsächsische Heldenepos über nordische Könige. Übersetzung, Kommentar und Anmerkungen von Hans-Jürgen Hube. Wiesbaden: Marix Verlag, 2005. 508 S. ISBN 3-86539-012-9.

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Letzte Aktualisierung der Website: 30. Juli 2019. Kontakt: