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Béowulf – Vorrede
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Handschrift

Hwæt! Wé Gárdena in geárdagum
Hwæt! Wé Gárdena in geárdagum
Wahrlich, denkwürd’ge Taten von Dänen
þéodcyninga þrym gefrúnon,
þéodcyninga þrym gefrúnon,
sind viel uns aus der Vorzeit berichtet,
hú ðá æþelingas ellen fremedon.
hú ðá æþelingas ellen fremedon.
als Könige kühn ihre Kraft erprobten.
Oft Scyld Scéfing sceaþena þréatum,
Oft Scyld Scéfing sceaþena þréatum,
Oft hat Garbensohn Scyld grimme Feinde,
monegum mǽgþum, meodosetla oftéah,
monegum mǽgþum, meodosetla oftéah,
manch mütigen Kämpen von der Metbank verjagt
egsode eorlas. Syððan ǽrest wearð
egsode eorlas. Syððan ǽrest wearð
und Furcht verbreitet. In frühster Jugend
féasceaft funden, hé þæs frófre gebád,
féasceaft funden, hé þæs frófre gebád,
fand man hilflos ihn auf, doch Heil gewann er:
wéox under wolcnum, weorðmyndum þáh,
wéox under wolcnum, weorðmyndum þáh,
unterm Wolkendach wuchs er, an Würden reich,
oðþæt him ǽghwylc þára ymbsittendra
oðþæt him ǽghwylc þára ymbsittendra
bis alle endlich ihm Untertan wurden,
ofer hronráde hýran scolde,
ofer hronráde hýran scolde,
die am Wege des Wals ihre Wohnsitze hatten
gomban gyldan. Þæt wæs gód cyning!
gomban gyldan. Þæt wæs gód cyning!
und Zins dem Herrlichen zollen mussten.



Ðǽm eafera wæs æfter cenned,
Ðǽm eafera wæs æfter cenned,
Ein Sprössling wurd’ ihm später geboren,
geong in geardum, þone god sende
geong in geardum, þone god sende
ein hübscher Knabe, vom Herrgott gesendet,
folce tó frófre; fyrenðearfe ongeat
folce tó frófre; fyrenðearfe ongeat
dem Lande zum Trost: das Leid erbarmt’ ihn,
þe híe ǽr drugon aldorléase
þe híe ǽr drugon aldorléase
das die Dänen lang schon erdulden mussten,
lange hwíle. Him þæs Líffréa,
lange hwíle. Him þæs Líffréa,
ohn’ Oberhaupt war’n sie. Dem Erben Scylds
wuldres wealdend, woroldáre forgeaf;
wuldres wealdend, woroldáre forgeaf;
verlieh der leuchtende Lebensspender
Béowulf wæs bréme, blǽd wíde sprang
Béowulf wæs bréme, blǽd wíde sprang
blühende Ehren, und Beowulfs Ruhm –
Scyldes eafera Scedelandum in.
Scyldes eafera Scedelandum in.
der schallte hinein in Schonens Lande.



Swá sceal geong guma góde gewyrcean,
Swá sceal geong guma góde gewyrcean,
So schenkte in jungen Jahren der Sohn
fromum feohgiftum on fæder bearme,
fromum feohgiftum on fæder bearme,
vom Hort freigebig im Haus seines Vaters,
þæt hine on ylde eft gewunigen
þæt hine on ylde eft gewunigen
dass willig im Alter ihn wiederum halfen
wilgesíþas, þonne wíg cume,
wilgesíþas, þonne wíg cume,
die kühnen Kämpen, wenn Krieg erbrannte,
léode gelǽsten. Lofdǽdum sceal
léode gelǽsten. Lofdǽdum sceal
und mutig ihm folgen. Seine milde Hand
in mǽgþa gehwǽre man geþéon.
in mǽgþa gehwǽre man geþéon.
könnt’ überall ja dem Edeling nützen!



Him ðá Scyld gewát tó gescæphwíle
Him ðá Scyld gewát tó gescæphwíle
Für Scyld kam sodann die Schicksalsstunde,
felahrór féran on Fréan wǽre.
felahrór féran on Fréan wǽre.
es ging der Held ein in Gottes Hut.
Hí hyne þá ætbǽron tó brimes faroðe,
Hí hyne þá ætbǽron tó brimes faroðe,
Da trugen die Treuen den toten König
swǽse gesíþas, swá hé selfa bæd,
swǽse gesíþas, swá hé selfa bæd,
zum Seegestad’ hinab, wie selbst er’s gewollt,
þenden wordum wéold wine Scyldinga;
þenden wordum wéold wine Scyldinga;
als der Recke noch mächtig der Rede war,
léof landfruma lange áhte.
léof landfruma lange áhte.
der liebe Scylding, der Landesgebieter.



Þǽr æt hýðe stód hringedstefna,
Þǽr æt hýðe stód hringedstefna,
Und eisbereit im Hafen lag erzbeschlagen
ísig ond útfús, æþelinges fær.
ísig ond útfús, æþelinges fær.
das Flutross des Fürsten, zum Fahrt bereit;
Álédon þá léofne þéoden,
Álédon þá léofne þéoden,
nun legten die Mannen den lieben König,
béaga bryttan, on bearm scipes,
béaga bryttan, on bearm scipes,
den Brecher der Ringe, an Bord des Drachschiffs
mǽrne be mæste. Þǽr wæs mádma fela
mǽrne be mæste. Þǽr wæs mádma fela
am Mast sanft nieder. Gar manches Kleinod
of feorwegum, frætwa, gelǽded;
of feorwegum, frætwa, gelǽded;
und funkelnder Schmuck wurd’ fernher gebracht:
ne hýrde ic cymlícor céol gegyrwan
ne hýrde ic cymlícor céol gegyrwan
nie sah ich schöner ein Schiff gerüstet
hildewǽpnum ond heaðowǽdum,
hildewǽpnum ond heaðowǽdum,
mit Kriegswaffen kühn und Kampfgewändern,
billum ond byrnum; him on bearme læg
billum ond byrnum; him on bearme læg
Hiebschwert und Harnisch. Dem Helden im Schoß
mádma mænigo, þá him mid scoldon
mádma mænigo, þá him mid scoldon
lag edler Schmuck, der hinaus mit ihm
on flódes ǽht feor gewítan.
on flódes ǽht feor gewítan.
in die Fluten des Meeres sollt’ fahren.
Nalæs hí hine lǽssan lácum téodan,
Nalæs hí hine lǽssan lácum téodan,
Mit Spenden schienen sie sparsamer nicht,
þéodgestréonum, þon þá dydon
þéodgestréonum, þon þá dydon
die dänischen Degen, als die es waren,
þe hine æt frumsceafte forð onsendon
þe hine æt frumsceafte forð onsendon
die einst übers Meer ihn ausgesandt hatten
ǽnne ofer ýðe umborwesende.
ǽnne ofer ýðe umborwesende.
im Nachen allein, den Neugebor’nen.



Þá gýt híe him ásetton segen geldenne
Þá gýt híe him ásetton segen geldenne
Mas hisste ihm hoch zu Häupten ein Banner,
héah ofer héafod, léton holm beran,
héah ofer héafod, léton holm beran,
mit Gold war’s gewirkt, dann gab man ihn preis
géafon on gársecg; him wæs géomor sefa,
géafon on gársecg; him wæs géomor sefa,
den tobenden Wogen mit Trauer im Herzen,
murnende mód. Men ne cunnon
murnende mód. Men ne cunnon
mit Sorge im Sinn. Und sagen konnt’ keiner
secgan tó sóðe, selerǽdende,
secgan tó sóðe, selerǽdende,
der Helden, die die Halle bewohnten
hæleð under heofenum, hwá þǽm hlæste onféng.
hæleð under heofenum, hwá þǽm hlæste onféng.
unterm lichthellen Himmel, wo landen es würde.

Kommentar
Béowulf ist das längste und berühmteste angelsächsische Heldengedicht. Es ist zu uns in einer einzigen, in der British Library aufbewahrten Handschrift gelangen, namens Cotton Vitellius. Das Gedicht ist 3182 Zeilen in Stabreim lang und wurde zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert für ein christliches Publikum aus der angelsächsischen Tradition verfasst. Béowulf wägt zwei Zeiten im Leben des eponymen Heldes ab: zuerst die Großtaten seiner Jugend, als er am Hofe des dänischen Königs Hrothgar blieb und Grendel umbrachte, einen riesigen Menschenfresser, der Hrothgars Domäne verwüstete, und dann Grendels Mutter; danach seinen letzten Kampf als älterer König der Göten gegen einen Drachen, der sein Volk bedroht. J. R. R. Tolkien spielte eine bestimmende Rolle bei der Studie und Kritik von Béowulf; vor allem legte er einen grundlegenden Artikel an, mit dem Titel Beowulf: die Ungeheuer und ihre Kritiker, den mit anderen Aufsätzen in der Sammlung Die Ungeheuer und ihre Kritiker – Gesammelte Aufsätze wiedergedruckt wurde. Umgekehrt war Béowulf eine wichtige Inspirationsquelle für Tolkien: manche Erzählungsteile in dem Hobbit und dem Herrn der Ringe stammen daraus.

Der Prolog von Béowulf berichtet den Aufschwung der Dänen und ihrem Königsgeschlecht, den Scyldingern. Die Andeutung auf die einsame Ankunft von Scyld als Waisenkind, in einem seltsamen Boot aus dem Westen, ist mit der Sage vom König Sheaf « Garbe » gebunden. Sheaf ist der Held von Gründungsmythen der Germanen in der angelsächsischen Tradition. Tolkien bearbeitete diese Geschichte wieder in seinem Gedicht King Sheave, mit seinem unvollendeten Roman The Lost Road zusammengelegt (S. 87-91 in The Lost Road and other writings), und ubertrug es später in Prosa für The Notion Club Papers (in Sauron Defeated S. 273-276 veröffentlicht) . Der Held in Béowulf ist aber Scyld, der namengebende Ahne der Scyldinger, der für einen Nachkommen Sheafs ausgelegt wird, wie das Patronym Scéfing es beweist.

Man muss beachten, dass der Béowulf der Zeile 18 nicht der Held des Gedichts ist (dieser ist Gauter, nicht Däner). Viele Gelehrten (unter denen J. R. R. Tolkien selber) haben gedacht, dass der Name aus einem früheren Béow verändert worden ist: Béow erscheint (in verschiedenen Gestalten) in sagenhaften Ahnenfolgen von altertümlichen germanischen Königen.

Nach André Crépins Herausgabe von Béowulf haben wir Akute über lange Vokale und Diphthonge hinzugefügt. Die deutsche Übersetzung ist von Hans-Jürgen Hube.

Der Textumschrift ahmt die insulare Schrift nach, eine Buchschrift des lateinisches Alphabets Irischer Herkunft, die in den meisten altenglischen Manuskripten angewandt wurde. Wir haben die Schriftart Beowulf1 von Peter S. Baker verwandt.

Quellenangabe
Savage, Anne (ed.). Beowulf in Hypertext. 🌍 McMasterUniversity, Hamilton (Ontario).
Beowulf. Édition revue, nouvelle traduction, introduction et notes d’André Crépin. Paris : Le Livre de poche, 2007. 254 p. (Lettres gothiques). ISBN 978-2-253-08243-9.
Tolkien, John Ronald Reuel. Beowulf: a translation and commentary, together with Sellic Spell. Edited by Christopher Tolkien. London: HarperCollins, 2014. 425 p. ISBN 978-0-00-759006-3.
Beowulf - Das angelsächsische Heldenepos über nordische Könige. Übersetzung, Kommentar und Anmerkungen von Hans-Jürgen Hube. Wiesbaden: Marix Verlag, 2005. 508 S. ISBN 3-86539-012-9.
Tolkien, John Ronald Reuel. The Lost Road and other writings: Language and Legend before The Lord of the Rings. Edited by Christopher Tolkien. London: HarperCollins, 1993. 455 p. (The History of Middle-earth; V). ISBN 0-261-10225-7.

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Letzte Aktualisierung der Website: 30. Juli 2019. Kontakt: