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Átaremma
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Quenya
Tengwar

     ⸱
Átaremma i ëa han ëa,
Vater unser im Himmel,
   ⸱
na aire esselya,
geheiligt werde dein Name.
   ⸱
aranielya na tuluva,
Dein Reich komme.
  
na kare indómelya
Dein Wille geschehe,
  :
cemende tambe Erumande.
wie im Himmel, so auf Erden.
     ⸱
Ámen anta síra ilaurëa massamma,
Unser tägliches Brot gib uns heute.
   
ar ámen apsene úcaremmar
Und vergib uns unsere Schuld,
       :
sív’ emme apsenet tien i úcarer emmen.
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
  
Álame tulya úsahtienna
Und führe uns nicht in Versuchung,
    :
mal áme etelehta ulcullo.
sondern erlöse uns von dem Bösen.



 ⸱:⸱
Násie.
Amen.

Kommentar
In den 1950er Jahren übersetzte Tolkien eine Reihe von katholischen Gebeten ins Quenya, darin das Vaterunser, dessen Wiedergabe ihm offenbar von großer Bedeutung war, da er nicht weniger als sechs Fassungen machte. Allen sind in Vinyar Tengwar Nr. 43 veröffentlicht und kommentiert worden. Wir legen hier die letzte Fassung vor („Átaremma VI“); die Satzzeichen wurden von dem Original herausgegeben.

Gegenüber ist die gegenwärtige ökumenische Fassung des Gebets auf Deutsch.

Der quenya Text entspricht dieser deutschen Fassung nicht völlig. Wo diese nach dem Text vom Matthäusevangelium Schuld und Schuldigern sagt, benutzt Tolkien auf Quenya das Wort úcare „Übeltat“. Wörtlich bedeutet der quenya Text „Und vergib uns unsere Übeltaten, wie auch wir vergeben denen, die uns gegenüber Übeltaten begehen“. Das ähnelt den üblichen englischen Fassungen, die dem Lukasevangelium eher folgen und das Verzeihen von Übeltaten (trespasses) erwähnen.

Bemerkenswert ist auch, wie die Idee vom Himmel hier ausgedrückt wird. In seinen ersten Niederschriften benutzte Tolkien menel, das übliche quenya Wort für den Himmel; doch fand er am Ende andere Entsprechungen besser. In der ersten Zeile bedeutet i ëa han ëa wörtlich „der jenseits des Weltalls ist“ oder „der jenseits des Seins ist“ – gerade weil ëa „sein“ auf Quenya auch der Name des Weltalls ist, was sich auf das Schöpfungswort des einzigen Gottes Eru Ilúvatar bezieht. In der fünften Zeile enthält Erumande „im Himmel“ im Lokativ den Namen Eruman, den man „Gottes geweihte Wohnsitz“ übersetzen könnte. Das alles zeigt Tolkien Willen, den Himmel der Physik und den Himmel der Metaphysik auf Quenya zu unterscheiden, gemäß der modernen christlichen Theologie.

Der Text wird in Tengwar oder „Buchstaben von Fëanor“ nach dem klassichen Quenya-Modus umgeschrieben, den Tolkien im Anhang E des Herrn der Ringe beschrieben und zum Beispiel im Namarië-Manuskript in The Road Goes Ever On S. 65 veranschaulicht hat. Wir haben die Schriftart Tengwar Annatar von Johan Winge verwandt.  Modus in Glaemscribe öffnen

Quellenangabe
Vinyar Tengwar: The journal of the Elvish Linguistic Fellowship, a Special Interest Group of the Mythopoeic Society. Edited by Carl F. Hostetter. Crofton (Maryland): 1988-  . ISSN 1054-7606. 🌍 The Elvish Linguistic Fellowship.

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Letzte Aktualisierung der Website: 30. Juli 2019. Kontakt: